medialex; Zeitschrift für Kommunikationsrecht. Revue de droit de la communication. Stämpfli AG, Publikationen, Medienautomation, Bern.

medialex 1/2006 vom 03.03.2006

Revisionsbedarf beim urheberrechtlichen Eigengebrauch?

Willi Egloff

Dr. iur., Rechtsanwalt, Bern

Zusammenfassung: Die geltende Regelung des Eigengebrauchs beruht auf gesetzgeberischen Wertungen, die von ihrer Berechtigung nichts eingebüsst haben. An der gesetzlichen Lizenz für den Privatgebrauch sollte daher unbedingt festgehalten werden. Allerdings ist die Regelung über den erweiterten Eigengebrauch in ihrer heutigen Form überholt und sollte angepasst werden. Auch die Sonderregelung für Computerprogramme hat sich als obsolet erwiesen. Weiter führt die gesetzliche Vorschrift über die Angemessenheit von Entschädigungen für gesetzlich erlaubte Werknutzungen im persönlichen Bereich zu völlig marktfremden Ergebnissen; sie sollte daher schleunigst ersetzt werden.
Dies alles gilt trotz technischer Entwicklungen im Bereich der Nutzungskontrolle: Digital Rights Management kann zwar neue Geschäftsformen ermöglichen und das Leben der Verwertungsgesellschaften erleichtern, aber es muss eine frei wählbare Geschäftsform auf freiwilliger Basis bleiben, die keiner gesetzlichen Regelung bedarf. Technische Massnahmen sollen auch in der Schweiz gesetzlich geschützt werden, wie es die WIPO-Verträge verlangen. Hingegen wäre es mehr als problematisch, diesen Schutz mit einem gesetzlichen Anspruch auf Privatgebrauch zu verbinden, weil eine solche Regelung mit dem ganzen urheberrechtlichen Fundament nicht kompatibel wäre.

Resumé: Le principe actuel de l’utilisation d’une œuvre à des fins privées ne devrait pas être remis en question et le système de licence légale pour l’usage privé devrait absolument être conservé. Toutefois, force est de constater que les règles actuelles peinent à réguler une conception extensive de l’utilisation à des fins privées. A ce titre, une révision est nécessaire. Il en est de même pour le régime spécial applicable aux logiciels qui s’est lui aussi révélé obsolète. En outre, le calcul de l’indemnité due, basé sur le principe d’équité de l’article 60 LDA, a mené à des résultats contraires au marché et devrait donc être immédiatement abandonné. S’agissant du système DRM (digital rights management), si celui-ci peut effectivement permettre l’émergence de nouvelles opportunités commerciales et faciliter la tâche des sociétés de gestion de droit d’auteur, il doit toutefois rester une forme librement choisie en l’absence de toute contrainte. Comme les accords de l’OMPI l’exigent, les mesures techniques de protection devraient bénéficier, en Suisse aussi, d’une protection légale. Reste qu’il serait plus que problématique de lier une telle protection avec le droit à la copie privée; le risque serait alors grand de remettre en cause les fondements mêmes du droit d’auteur.

I. Die Ausgangslage

Laut Branchenstatistiken sind zu jedem Zeitpunkt in der Schweiz durchschnittlich rund 90’000 Personen gleichzeitig in Peer-to-Peer-Netzwerken verbunden, welche kostenlose Downloads ermöglichen. Weltweit sollen es im Durchschnitt rund 8,9 Mio. Personen sein, die sich gleichzeitig an dieser Form des Datenaustausches beteiligen. Innerhalb eines Jahres wurden gemäss diesen Erhebungen rund 2,2 Mrd. Dateien in solchen Netzwerken getauscht, wobei es sich zu 75% um Musikdateien und zu 9% um Porno- und Gewaltvideos gehandelt haben soll. Auch Schweizer Filme und schweizerische Musikproduktionen sind in grosser Zahl auf diesem Wege abrufbar. Im Vergleich zu den Ergebnissen der Vorjahre zeigt sich ein rasanter Anstieg.