medialex; Zeitschrift für Kommunikationsrecht. Revue de droit de la communication. Stämpfli AG, Publikationen, Medienautomation, Bern.

medialex 1/2006 vom 03.03.2006

Etudes–&–réflexions – Untersuchungen–&–Meinungen

E-Voting – Stand und Entwicklung in der Schweiz

Lorenz Engi

lic. iur., wissenschaftlicher Assistent an der Universität St. Gallen HSG, St. Gallen

Francine Hungerbühler

B.A. HSG, Speicherschwendi

Zusammenfassung: Neue Informationstechnologien eröffnen die Möglichkeit einer elektronischen Ausübung der politischen Rechte. Diese Verfahren des «E-Voting» oder «Vote électronique» bieten grosse Chancen wie auch Risiken: Auf der einen Seite könnte die Partizipation besonders auch jüngerer Bevölkerungsschichten am politischen Prozess in quantitativer wie qualitativer Hinsicht gesteigert und verbessert werden. Andererseits bestehen Risiken in Bezug auf die Sicherheit der Wahl- und Abstimmungsvorgänge sowie im Hinblick auf eine Trivialisierung und Emotionalisierung der politischen Prozesse. Die Ergebnisse der bisherigen Versuche mit E-Voting in den Kantonen Genf, Neuenburg und Zürich waren vielversprechend: In allen Fällen wurde die Möglichkeit der elektronischen Stimmabgabe von der Bevölkerung intensiv genutzt, ohne dass es zu grösseren technischen oder anderen Problemen gekommen wäre. Es erscheint daher grundsätzlich richtig, E-Voting auch über die Testphase hinaus und in grösserem Rahmen einzusetzen.

Résumé: Les nouvelles technologies de l’information ouvrent la possibilité d’exercer ses droits politiques par la voie électronique. Si le «e-voting» ou vote électronique a assurément de l’avenir, il n’en est pas pour autant exempt de risques. Certes, la participation des jeunes électeurs y gagnerait tant sur le plan quantitatif que qualitatif. Mais des doutes planent encore sur la sûreté du vote. Enfin, la trivialisation et l’ «émotionnalisation» du processus de vote posent également problème. Le bilan des essais qui ont eu lieu à Genève, Neuchâtel et Zürich est positif: partout, la possibilité offerte aux citoyens de se prononcer par voie électronique a été pleinement utilisée; aucun problème grave, notamment de nature technique n’est apparu. Il est dès lors raisonnable de promouvoir le vote électronique à une plus grande échelle.

I. Einleitung

In jüngster Zeit haben sich neue Kommunikationstechniken, namentlich das Internet und die Mobiltelefonie, schnell und stark verbreitet. Daraus ergeben sich auch im Verhältnis zwischen Staat und Bürgern vielfältige Chancen der Veränderung. Insbesondere eröffnet sich die Möglichkeit, die neuen Techniken zur Vereinfachung und Belebung demokratischer Prozesse zu nutzen. Die Diskussionen werden hierbei ganz allgemein unter dem Stichwort E-Government geführt.